NRW hat gewählt

Seit zwei Wochen ist es amtlich – NRW hat die rot-grüne Regierung unter Hannelore Kraft abgewählt. Die Weichen stehen auf schwarz-gelb. Was bedeutet dieser Wahlausgang für die Immobilienwirtschaft im Land? Was erwarten wir von der neuen Landesregierung? 

NRW ist das bevölkerungsreichste Bundesland in Deutschland. Knapp 18 Millionen Einwohner leben hier, die einwohnerreichste Stadt ist Köln, in Düsseldorf dagegen ist die Bevölkerungsdichte am größten. Die Rhein-Ruhr-Schiene gehört zu den 30 größten Metropolregionen der Welt. Und: Unsere Städte wachsen weiter. Das alles bringt ganz besondere städtebauliche und verkehrspolitische Herausforderungen mit sich.

Im Jahr 2016 wurden in NRW mehr Sozialwohnungen gefördert als in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zusammen. NRW kam auf 9.301 Wohnungen, während Bayern 3.725, Baden-Württemberg 1.011 und Hessen 2.222 Wohnungen förderten. Dennoch kann das derzeitige Wohnungsangebot die Nachfrage in den nordrhein-westfälischen Metropolen nicht stillen. Die CDU hat angekündigt, den sozialen Wohnungsbau weiter voranzutreiben und sogar noch mehr Geld in die Hand nehmen zu wollen. 

Doch wo bauen, wenn das Angebot an Flächen begrenzt ist? Wie weit lassen sich unsere Städte noch nachverdichten, vorhandene Baulücken schließen? Wo liegen die nachhaltig sinnvollen Grenzen? Durch die neue Baugebietskategorie „Urbanes Gebiet“ rückt Gewerbe und Wohnen in jedem Fall schon einmal näher zusammen. 

Viele meiner Kollegen wünschen sich von der neuen Landesregierung eine schnellere Bearbeitung von Bauanträgen und die schnellere Erteilung von Baugenehmigungen. Nur ein Tipp am Rande: Eine Digitalisierung der Prozesse kann hierbei hervorragende Unterstützung leisten.


Kommen wir zu dem stark diskutierten Thema der Grunderwerbssteuer: Wir haben in NRW eine der höchsten Grunderwerbssteuern im Land. Käufer von Immobilien und Grundstücken in NRW haben im vergangenen Jahr 2,95 Milliarden Euro Grunderwerbsteuer an die Landeskasse gezahlt – gut 16 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Viele Familien leiden unter den hohen Erwerbsnebenkosten beim Kauf der eigenen vier Wände. Hier etwas zu tun, wäre wünschenswert. Eine Studie des ZIA und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln kam gerade erst zu dem Ergebnis, dass ein Absenken der Grunderwerbsteuer weitaus sinnvoller als etwa die Wiedereinführung der Eigenheimzulage wäre. Die CDU denkt über ein Baukindergeld nach, um jungen Familien die Bildung von selbst genutztem Wohneigentum finanziell zu erleichtern, die FDP über einen Freibetrag für selbstgenutztes Wohneigentum. 

Warten wir ab, was die Zukunft bringt. Die Koalitionsverhandlungen haben gerade erst begonnen. Dass aber in Sachen Infrastruktur und Bildung etwas getan werden muss, darin sind wir uns wohl alle einig.


Dirk Schumacher, Country Head Germany Reasult