Blog Digitale Transformation in der Immobilienbranche

Ein Gastbeitrag von Lars Grosenick, CEO FLOWFACT GmbH 

 

Aktuell reden alle über die „Digital Real Estates“, aber alle verstehen etwas Anderes darunter. Ergo besteht noch lange kein einheitliches Bild darüber, was die Digitalisierung genau bedeutet. Was von Nöten ist: Die konstruktive Auseinandersetzung der Immobilienwirtschaft mit sich und ihrem Geschäftsmodell.

Als die Dampfmaschine in die Weberei kam, hat sie die Wasserkraft abgelöst und damit die Produktivität deutlich erhöht. Egal ob Eisenbahn oder Dampfmaschine, Veränderungen machen produktiver und effizienter. Dass die einschneidenden Veränderungen die Immobilienwirtschaft effizienter machen und den Ballast digitalisieren, ist bereits jetzt zu spüren. Dennoch geht es, wie vor 150 Jahren, vor allem um eines: Darum, Veränderungen zu akzeptieren und für sich und sein Unternehmen das Beste der jeweils neuen Welten umzusetzen.

Was passierte nach der Einführung der Dampfmaschine? Die Dampfmaschine wurde wiederum ersetzt, und zwar durch den Elektromotor. Kritische Stimmen wurden damals laut: Was passiert, wenn wir nicht immer Strom haben? Wollen wir uns wirklich abhängig machen von einem Energieversorger? Oder machen wir nicht lieber eine Arbeitsteilung. Die Heizer wurden gefragt, ob die Dampfmaschine oder der Elektromotor besser sei. Und nun raten Sie, was die Heizer kommentiert haben.  

200 Jahre später passiert gerade dasselbe bei Servern. Die Dampfmaschine ist der Server. Die Heizer heißen Administratoren. Haben Sie Ihren Administrator schon gefragt, ob der Server zu Hause besser ist als die Nutzung einer Cloud? Genau. Man kann das verstehen. Unter den vielen Argumenten, die der Administrator gegen die Cloud vorbringt, wird eines sicherlich sein: Wollen Sie wirklich eine solche Abhängigkeit von einem Dienstleister eingehen? Heute, wenn ich mir eine neue Nachttischlampe kaufe, mache ich mir gar keine Gedanken mehr über die Abhängigkeit vom Energieversorger. 

Die Dampfmaschine und die Frage, ob Cloud versus Server auf dem Hof, ist im Grunde dasselbe. Die Sicherheit ist bei professionellen Cloud-Anbietern tausend Mal höher als beim eigenen Server unter dem Schreibtisch oder in der Besenkammer. Trotzdem habe ich gefühlt die Daten „zu Hause“. Dabei sind die Systeme von außen zu erreichen, obgleich sie innen stehen. Hinzu kommt der Kostenaspekt. Wenn ich meine Business-Daten selber hoste, muss ich die nötige Infrastruktur haben oder kaufen und regelmäßig aktualisieren. Ich brauche einen klimatisierten Raum dafür und muss zusehen, dass das System immer läuft. Ich brauche genug Speicherplatz und eine gute Firewall. Nutze ich einen Dienstleister, der meine Daten in der Cloud hostet, kann ich jederzeit mehr Datenvolumen kaufen, wenn es nötig ist. Wartung, Datensicherung, Ausfallzeiten, Skalierbarkeit: Die zentrale Frage ist nicht mehr, ob Cloud oder nicht. Sondern vielmehr, den richtigen Partner zu finden, damit es nicht zu Qualitätsmängeln kommt. 

Was wird noch passieren im Rahmen der digitalen Transformation? Die Start Ups und Geschäftsmodelle, die dabei sind, die Mieter-Verkäufer- Käufer-Beziehung nachhaltig zu ändern, werden die große Chance zur Weiterentwicklung sein. Weil sie die steigenden Anforderungen dieser Beziehungen zueinander zum Thema machen. Konkret wird es im Bereich vermieten, verkaufen und verwalten viel um „selber machen“ auf der Nachfrager-Seite gehen. Aber auch um mehr Informationen. Adressen selber pflegen, sich im VIP-Bereich selber informieren, digitalisierte Wohnungsübergaben etc. – analoge Prozesse sind dabei, durch digitale Beziehungen mit einem hohen Grad an Mitmachen ersetzt zu werden.

Am Ende des Tages wird die Branche effizienter und der Ballast digitalisiert. Makler werden sich auf ihre Kernwertschöpfung besinnen, nämlich auf das Gespräch mit dem Anbieter und dem Nachfrager. Zulieferer werden mehr und mehr Aufgaben übernehmen, zum Nutzen für den Makler, den Interessenten und den Kunden.

 


 

Über die Autoren

Lars Grosenick, geboren 1963 in Mühlheim an der Ruhr, hatte viel Glück mit der Entwicklung seiner beruflichen Aktivitäten. Er durfte daran teilhaben, FLOWFACT zu gründen, groß zu machen und zu verkaufen. Nach wie vor steuert er als Geschäftsführer mit seinem Team die Geschicke des Immobilien-Software-Anbieters. 

Darüber hinaus engagiert er sich in Artikeln, Kolumnen und Vorträgen dafür, die Immobilienbranche ein Stück besser zu machen und den Ruf der Makler zu retten. Inhalte wie das private Bieterverfahren oder die Einkaufsstrategie Make me Move hat er maßgeblich geprägt. Passioniert widmet er sich seit vielen Jahren dem Thema Organisation von Geschäftsprozessen und Beziehungen. Gerne kombiniert er Akquise- und Vertriebsinhalte mit psychologischen Erkenntnissen und entwickelt hieraus spannende und praxisnahe Techniken für Immobilienunternehmen.
Privat bereist Lars Grosenick gerne exotische Plätze oder entspannt in seinem Ferienhaus in der Eifel. Architektur, Design und die Entwicklung spannender Immobilien sind seine großen Leidenschaften.

Kontakt: lars.grosenick@flowfact.de